MÖHR-NIGGLI Weine
Maienfeld GR

Liebe Weinfreunde

Maienfeld, Anfang April 2017

Rückblick 

Kürzlich sind wir auf ein altes chinesisches Sprichwort gestossen, das besagt:

“Be not afraid of going slowly, be afraid of standing still”

Frei übersetzt: Es ist durchaus vernünftig kleine Schritte zu machen, aber das Stillstehen sollte man vermeiden.

Wir glauben, rückblickend trifft dies für uns seit der Übernahme des Betriebes durchaus zu. Wir denken hier zuerst einmal an die inneren Veränderungen, an den Generationenwechsel. Dieser ist zwar zügig über die Bühne gegangen, was die Vinifikation angeht, doch das einerseits “Loslassen” und das andererseits mehr Verantwortung übernehmen konnte sich Schritt für Schritt einspielen.

Die feinen Veränderungen waren wohl bedacht. Alles auf den Kopf stellen ist nicht unser Ding, fanden wir auch nie nötig. Das wichtigste nach aussen war das Belassen von “MÖHR-NIGGLI” als Name des Weinguts. Obwohl wir hier heute etwas differenzieren. Die “neuen” Maienfelder Weine – wie PILGRIM oder MAGNUS – sind unter unserem Namen und nicht unter dem des Weingutes gehalten. Auch der „Satellit“ Maisprach BL mit seinen alten Rebbeständen in Topsteillagen auf Jurakalkböden, wird für uns immer wichtiger. Die Zukunft wird es zeigen, wie es weitergeht; in kleinen Schritten eben.


Das Rebjahr 2016

Das Rebjahr 2016 war für uns eine Achterbahnfahrt der Gefühle. Rückblickend sind wir wahnsinnig glücklich mit den Qualitäten und den geernteten Mengen. Aber es gab einige Stationen, die dies zu verhindern drohten. Die Nacht der Nächte war vom Mittwoch 27. April auf den 28. April: Frostgefahr! Das Ereignis kündigte sich einige Tage im voraus an, doch nützen tut dies herzlich wenig. Man ist ziemlich hilflos. Der diskutierte Einsatz von Helikoptern, um die Luftschichten zu durchwirbeln, ist in unseren Weinbaugebieten kritisch. Die punktuell eingesetzten Kerzen sicherlich wirksam, nur flächendeckend kaum denkbar. Es blieb uns das Hoffen und Bangen. Die Minusgrade kamen, die Schäden am Tag darauf waren gut sichtbar. Doch die Reben sind Stehaufmännchen und haben sich sehr gut erholt. Nur punktuell kam es zu Ertragseinbussen. 

Dann ging es so richtig los! Der feuchte Frühling und der weitgehend nasse Sommer machten uns das Arbeiten in den Reben schwer. Der Regenschutz war unser ständiger Begleiter. Der Druck der Pilzkrankheiten auf die Blätter und die wachsenden Trauben war enorm. Nicht alles kam gut über die Runden; beim Merlot ging gut die Hälfte auf Kosten des falschen Mehltaus verloren.

Man ist schon fast geneigt zu sagen: Und der nächste Streich folgt sogleich. Ja der kam, und das war wohl der schlimmste von allen: Hagel! Am Samstag 30. Juli, nach einer wunderschönen Wanderung am Pizol nach Hause gekehrt, braute sich ein kurzes, aber heftiges Gewitter zusammen. Der Spuk dauerte eine knappe halbe Stunde, der Hagel wohl nur ein paar Minuten. Orkanböen fegten im Steigwald den einen oder anderen Baum um. Die Rebenblätter auf der Westseite wurden völlig zerfetzt und unsere Trauben zerschlagen. Kein schönes Bild. Wochen später erholten sich die Reben teilweise wieder. Bis zur Ernte waren aber die Schäden gut sichtbar. Mit abgeschätzten 40 Prozent Schaden, blieb uns aber noch etwas übrig.

Die Wende kam in der zweiten Augusthälfte und im September. Spätsommerliches Wetter versorgte uns mit der nötigen Sonne und trockenen Bedingungen. Nach all dem Unheil waren wir sehr froh darum. Ganz abschreiben darf man einen Jahrgang nie; 2016 ist das beste Beispiel dafür.

Ab Mitte September und bis zum Beginn der Lese am 12. Oktober waren wir damit beschäftigt, beschädigte, aufgeplatzte und unreife Beeren und Trauben wegzuschneiden. Bis zu 5 Durchgänge waren nicht unüblich. 

Die Weinlese war dann das eigentliche Bravourstück. Dank der rigorosen Selektion im Rebberg konnten wir die Hauptlese auf 2 Tage verteilen. An den Montagen 17. und 24. Oktober wimmelten wir gut 80% unserer Trauben und dabei fast alle Pinot Noir Lagen.


Ernte 2016

Solch schöne Trauben verleiten. Die Stimmung im Hoch, die Trauben tiefblau in den Wimmlerkisten und „Schwupps“ sind die Trauben im Gärbottich! OK, zugegeben, ein guter Teil der Trauben wird bei uns abgebeert und über das Förderband in die Bottiche befördert. Aber ein Anteil an intakten, nicht abgebeerten und damit mit den Stielen vergorenen Trauben, hat bei uns schon seit einigen Jahren Tradition; mit „Stiel“ eben. Je nach Lage und Reife der Trauben, entscheiden wir uns zwischen 20% und 60% der Trauben nicht abzubeeren. Die Bottiche sind dann prall gefüllt und 2-3 Tage nach beginnender Gärung müssen die nackten Füsse die Trauben ein wenig zerquetschen; von Hand mit dem Stössel schaffen wir dies nicht. Nach 12-16 Tagen ist der Zucker vergoren, die Dynamik der Gärung verlangsamt sich und die frischen, fruchtigen Aromen machen langsam „weinähnlichen“ Düften platz; es ist Zeit, die Maische abzupressen. Dabei wird der trübe Wein über ein Sieb in einen Tank abgezogen. Die Maische anschliessend gepresst und mit dem restlichen Teil vereint.

Die so abgepressten Weine bleiben nicht lange im Stahltank. Noch ganz trüb und immer noch leicht am Gären, werden die Jungweine in 228L und 350L Eichenfässer gefüllt. All dies passiert mittels Gravität. Durch die langsam einkehrende Winterkälte wird es ruhig im Fasskeller. Die Weine sind nun vollständig trocken und gönnen sich eine kleine Auszeit. Bis in den Frühling hinein, wenn es wieder wärmer wird und die Weine ihre zweite Gärung – den biologischen Säureabbau – einleiten.

Natürlich wollen die Weine regelmässig degustiert sein. Nicht immer schmecken sie auf Anhieb schön duftig, doch von etwas wenig attraktiven Aromen lassen wir uns nicht gleich aus der Ruhe bringen. Gut Ding will Weile haben.


Die neuen Jahrgänge 2015 und 2016

Doch genug der Weinworte, schliesslich wollen die 16er Roten noch bis in den Frühling 2018 reifen. Nötig ist nun ein erster Blick auf die Weissen 16er: 

Allgemein auffällig ist die anspringende Frucht; sehr verspielt, nuanciert. Im Aroma zeigen sich die Weine sehr schön. Spannend ist die Säure – der Nerv der Weine. Gegenüber den 2015er Weinen haben die 16er hier einen Vorsprung, die Säure ist etwas betonter. Wir haben uns entschlossen, bei einem knappen Drittel des Pinot Blancs und bei drei Vierteln des Viogniers den Säureabbau zuzulassen. Dieser Prozess war über den Winter sehr langwierig, war doch die Kellertemperatur nur zwischen 10°C und 12°C. Geklappt hat es trotzdem, beim Chardonnay sogar mit einem der beiden Fässer. Dank der tollen Säuren, wirken die Weine frisch, lebendig und haben eine animierende Art. 2016 ist bei den Weissen top. 

Die roten 2015er sind noch zu füllen. Diese aus dem trockenen und heissen Sommer stammenden Weine sind zwar noch sehr jugendlich, aber doch schon sehr zugänglich. Wir zählen 2015 nicht zu den klassischen Pinot Jahren, sondern wohl zu den „Charme“-Jahren. Glücklicherweise war der Monat September vor der Lese unterdurchschnittlich kühl. So mussten die Trauben am Stock nicht mehr schmoren wie in den heissen Sommermonaten zuvor. Diese Verzögerung war notwendig, um keine allzu schnelle (Not-)Reife zu erhalten und damit potentielle Alkoholwerte jenseits der angenehmen Bereiche. Die Weine präsentieren sich natürlich mit einer etwas reiferen, süsseren Frucht. Gut zu spüren ist aber eine gewisse unterschwellige Frische und präsente, spannende Gerbstoffe. Bei einem Alkoholwert um 13.5% Vol. passt dies gut für einen Jahrgang wie 2015. 

Gespannt? Dann heissen wir Sie an einem unserer Präsentationstage im Keller herzlich willkommen. Auf Anmeldung sind auch Degustationen im kleinen Rahmen möglich.

Ihr Winzerpaar, Matthias und Sina Gubler-Möhr